Dienstag, 17. Oktober 2017

Brace yourself – NaNoWriMo is coming!



Es ist bald wieder so weit, denn neben dem Movember (aka No Shave November) erwartet uns im November der NaNoWriMo – der National Novel Writing Month. Eine gute Gelegenheit, einen Roman zu schreiben.



Hä – ein Roman in 30 Tagen?!

Der NaNo erwuchs aus einen Projekt von Chris Baty und umfasst ein globales Netzwerk an Schreibwütigen. Das Ziel ist es, einen Roman in 30 Tagen mit rund 50.000 Wörtern zu verfassen. Und mit einen Schnitt von ca. 1.666 Wörtern pro Tag ist das durchaus machbar. Sicher, der generierte Text ist noch eine Rohfassung,* aber es entsteht was – und das wirkt auf viele motivierend. Ebenso wie der nationale und internationale Vergleich mit seinen Wordcount, also quasi ein literarisches Wettbewerbfeeling, kann einen zum Schreiben stimulieren. Wer mehr dazu wissen will, kann Tante Google und Onkel Wikipedia befragen oder wendet sich direkt an die offizielle Seite. 
 
*Aber auch ein Text der anders zustande kommt, bedarf Überarbeitung.



Mein erstes Mal – NaNo 2012

Es war Ende meines Bachelors als meine Kommilitonin Gwen (nochmal vielen Dank an sie) mich fragte, ob ich mit ihr das Seminar „Schreib einen Roman in 30 Tagen“ besuchen würde. Das kam mir recht, denn ich bin im Verlauf meines Studiums nur noch dem wissenschaftlichen Schreiben nachgegangen und hatte vollkommen vergessen, wie gerne ich mich auch „kreativ“ austobte. – Ich weiß immer noch nicht, wie es dazu kommen konnte, aber es war mir völlig entfallen, dass Schreiben neben dem Zeichnen mir sehr viel Freude bereitet. 

Also besuchte ich besagtes Seminar mit Gwen und durch unserer fabelhaften Dozentin entsann ich mich meiner Passion für das Schreiben; Es war nicht mehr die Erinnerung, dass ich es gerne tat, ich tat es wieder gerne. So nahm ich mir vor, dass ich während des Masters das Schreiben nicht so sträflich vernachlässigen wollte – das habe ich sogar geschafft. Zudem bewirkte die Vorbereitungszeit für den NaNo, dass ich mir zum ersten Mal mehr Gedanken über einen Text machte als das drauflos schreiben.



How to NaNo

Und ohne Planung ist ein solches Wortpensum dauerhaft nur schwierig zu erfüllen; Denn so viele Wörter am Tag zu produzieren ohne einen groben Plan zu haben, ist bei Leibe nicht so einfach wie man es sich vorstellt. Daher eignete sich der Oktober für planerischer Aspekte rund um die Idee; Von einer Storyline zu einzelnen Kapiteln, thematische Schwerpunkte und Charakterkonzepte. Schon alleine das Bewusstwerden, dass sich eine Geschichte aus Protagonist und Antagonist besteht, einen Konflikt, der die ganze Sache los tritt, etc., war mir eine Hilfe. Retrospektiv kann ich sagen, dass ich das vorher schon beachtet habe, aber manchmal kann es einen inspirierenden Einfluss haben, wenn man sich das Offensichtliche bewusst macht.

Allerdings muss man sich im Klaren sein, dass man sich mitunter wirklich die Schreibzeit freischaufeln muss. Im November muss man mitunter auf so manche Verlockung verzichten und der Fokus liegt oft nur auf das Schreiben. Ferner sollte man auf allzu großen Perfektionismus diesbezüglich verzichten, denn das Ziel, möglichst viele Wörter zu produzieren, lässt sich nur schwer erreichen, wenn man jeden Satz bis zum Erbrechen schon während des Schreibens überarbeitet. Das sind Feinheiten, die definitiv in der Nachbearbeitungsphase zu beachten sind. 

Damit wird deutlich, dass sich vor dem Schreibmonat eine intensive Planung anbietet, damit man sich nicht während des NaNos mit Gedanken über Storyline und Co. verläuft, und dass schreiberische Perfektion bis zur Nachbearbeitung warten sollte. 



Auswirkungen auf mein Schreiben

Die Erfahrung des NaNos hat sich bei mir nicht nur im Schreiben niedergeschlagen, ist hier aber wohl am üppigsten. Zuvor entstanden meine Ergüsse durch ein diffuses, planloses Losschreiben mit Hauch von einer Idee, teilweise von einer Szene zur anderen hangelnd ohne mich mit Geschichte auseinander zu setzen und mitunter nicht mal ein µ Ahnung hatte, wo es hingehen wird. Und von weitläufigeren Gedanken wie „Was will ich ausdrücken?“ oder „Wen will ich erreichen?“ war ich noch viel weiter entfernt. Der NaNo machte mir die Basics zu Storyline und Planung deutlich, die mir persönlich bei der Entwicklung meiner Erzeugnisse helfen. Nicht nur beim Schreiben, sondern auch bei meinen Comics sinniere ich vorab über einen groben Verlauf und die charakterliche Beschaffenheit der Personen. Diese Gedanken dazu schaffen nicht nur eine klarere Struktur in meinen konfusen Geist, sie bewirken zudem eine intensivere Beschäftigung damit.

Mein erster NaNo Roman „Eine dadaistische Reise ins Unaussprechliche“, der auch irgendwann einen Verlag angetragen werden soll, ist mein erstes Werk, bei dem ich eine deutlich intensivere Auseinandersetzung mit dem Projekt betrieb. Hierfür entwickelte ich zum Beispiel eine Landkarte, skizzierte einen Verlauf und konzipierte einzelne Charakterbögen, die über bloße Äußerlichkeiten hinaus gingen; Hintergrundgeschichte, Wesenszüge, usw. durchdachte ich zum ersten Mal weitreichend. Der NaNo 2012 hat mir also nicht nur wieder die Freude am Schreiben ins Gedächtnis gerufen, sondern einen Art „Leitfaden“ zur Entwicklung meiner Projekte. Und inzwischen gehen die Gedanken noch weiter; Neben Planung und Charakterkonzepten achte ich vermehrt auf Konsistenz der Story und die Sinnigkeit der Charakterentwicklung. 

Aber das nimmt dem Schreiben bei Leibe nicht seine Spontanität; Zumindest da ich nur einen Leitfaden zur Geschichte habe, der an verschiedenen Stellen mehr oder weniger durchdacht ist und Freiraum für spontane Einfälle und unerwartete Entwicklungen bietet



NaNo´sche Einfluss auf die Wissenschaft

Die Erfahrung des NaNos hat nicht nur Auswirkung auf mein Schreiben und die Konzepte meiner Comics. Die fruchtende Kombination aus Planung und zügiger Textgenerierung im Sinne sich nicht an der Formulierung einzelner Sätze aufhalten lässt sich auch auf dem Bereich der Wissenschaft anwenden. In abgewandelter Form habe ich meine Masterarbeit quasi einfach nur geschrieben (natürlich mit sofortigen und korrekten Zitieren) ohne mir über einzelne sprachliche Aspekte Gedanken zu machen. Damit blieb ich in der heißen Phase schreibblockadenfrei und stellte schließlich bei der Korrektur fest, dass die Formulierengen weniger Mist waren wie angenommen. Diese Methode schlug ich einer Freundin für ihre Doktorarbeit vor, die ihr letztendlich dabei half, diese ohne relevante Schreibkrisen zu verfassen. Man sieht, es lohnt sich auf jeden Fall, sich auch in solchen Bereichen mit Schreiben näher zu beschäftigen.



NaNo 2017

Dieses Jahr findet der NaNo ohne mich statt, da ich mich gerade in den letzten Zügen meines aktuellen Projekts befinde. Dort fehlen nur ein paar Szenen sowie das Ende, sodass es sich für mich nicht rentiert, auf möglichst viele Worte abzuzielen.

Wie sich vielleicht erahnen lässt, habe ich den NaNoWriMo nicht (nur) vorgestellt, um meine literarische Entwicklung zu promoten. Ich hoffe, dass ich einige von euch ermutigen konnte, es selbst mal zu versuchen. Wer schon immer mal einen Roman schreiben wollte, kann es hiermit einfach mal versuchen und auch, wenn man im Anschluss feststellt, dass der NaNo oder das Schreiben nichts für einen ist, so bleibt es eine absolut lohnende Erfahrung – insbesondere, wenn man sie mit Freunden und Bekannten erlebt.

In diesem Sinne: Brace yourself, NaNoWriMo is coming!

Samstag, 30. September 2017

Kreativität - kann man das essen und wenn ja, wo nach schmeckt es?



Kreativität - ein herrlich undefinierter Begriff, der unseren Alltag infiltriert alsbald irgendwas auch nur irgendwie in irgendeiner Weise künstlerisch zu seien scheint. Kaum zeichnet jemand ein paar Striche, reimt ein paar Worte oder färbt etwas in einer „ungewöhnlichen“ Farbe fällt das Wort „kreativ“. Damit scheint Kreativität inflationär an allen Ecken verschlissen zu werden und alle sind irgendwie immer total kreativ.
 
Aber was gilt eigentlich als „kreativ“ und warum widerstrebt mir dieses Label häufig, obwohl es mir des Öfteren aufgedrückt wird?!



Kreative Gesellschaft: Die dekadente Wortverwendung

Zunächst will ich mal meinen persönlichen Eindruck vom gesellschaftlichen Umgang damit erläutern, weil, na ja, es scheint mir halt sinnig. 

In unseren Gefilden scheint so ziemlich alles irgendwie kreativ zu sein, was mit Malen, Musik und Co. in Verbindung steht; Jede Tätigkeit, jedes Ergebnis, was auch nur vage einen künstlerischen Bereich tangiert, gilt als kreativ. Dabei scheint es egal zu sein, ob die Zeichnung eigentlich nur ein mehr oder weniger gelungener Abklatsch etwas bereits existierenden ist - sei es vom selben Erschaffer oder von einen anderen. 

In diesem Zusammenhang, so nehme ich es zumindest wahr, bewirkte zum Beispiel der Erfolg eines Roman á la Twilight eine regelrechte Überschwemmung von vampirig-werwölfigen Büchern (wie mir scheint vor allen) in der Jugendliteratur. Durch die ständige Wiederholung in geringfügig abgewandelten Formen mutierte der Themenbereich zu einen recht einheitlichen Brei, der eine Massenproduktion zu sein scheint. Sicher, für Verlage war es lohnend, auf diesen glitzernden Zug auf zu hüpfen, aber was ist mit den AutorInnen?! Es ist möglich, dass für einige von ihnen jenes Werk literarisches Neuland ist oder ihnen vom Verlag etwas aufgedrückt wurde, aber - ohne dass ich mich selber intensiv mit diesem Bereich befasst habe - es scheint sich doch ein homogener Literaturmatsch in diesem Genre entwickelt zu haben. Kann man diese zahlreichen Ergüsse als kreativ bezeichnen oder ist es ein Schlag in das Gesicht anderer KünstlerInnen, die diese Bezeichnung mehr „verdient“ haben?

Oder ist es kreativ, wenn sich ein Künstler immer wieder mit demselben Thema befasst und seine Ergüsse unterschiedliche Varianten dessen darstellen? Nicht zuletzt wird Kafka zum Beispiel immer nachgesagt seine Daddy Issues zu verarbeiten.

Kann man in diesen Fällen von Kreativität sprechen? Jein - zumindest meiner Ansicht nach. Der Grad der Unterscheidung zwischen Kreativität und ständiger (Selbst)Wiederholung ist mitunter schwierig festzumachen und oft höchst subjektiv. Aber das alles ist schon außerhalb der alltäglichen Ebenen, die mich in diesem Blogeintrag konkret beschäftigen. 

Ich werde mein Unbehagen an diesen Beispiel veranschaulichen; In einen Kurs bekamen wir Teilnehmer die Aufgabe, aus den Buchstaben B L A U einen sinnigen Satz zu formulieren, dessen Wörter mit eben diesen Buchstaben versehen seien sollten. Zur Veranschaulichung wurde uns der  Satz „Bernd liegt am Ufer“ präsentiert, ehe wir uns vier Minuten diesem Spiel widmen durften. Das Ergebnis: Einige von uns hatten in dieser knappen Zeit um die zehn Sätze zu Stande gebracht, ich hingegen bin nur auf die angeforderten drei gekommen. Allerdings waren die meisten dieser Sätze nur geringfügig abgewandelte Varianten des  Beispielsatzes. Wenn es nicht Bernd war, der am Ufer lag, war es Beate oder Bär. Meine drei Sätze waren da doch etwas anders: „Bulimiker lassen alles unverdaut.“, „Biologie liefert alle Umstände.“ und „Bourdieu liebt alles Unklare“. Nun, ist Quantität oder Qualität kreativer? Ohne, dass ich mich selber als besonders kreativ beschreiben würde, behaupte ich mal keck und frech, dass meine Sätze sich von den anderen und voneinander mehr als nur geringfügig unterscheiden. Ich würde sie sogar als kreativ bezeichnen, was mein Verständnis dieses Begriffes verdeutlichen dürfte.



Kreativität und Wissenschaft

Aber was sagt unser Freund die Wissenschaft dazu? Aufgrund meiner derzeitigen Tätigkeit in der Kreativitätsforschung - und ja, das klingt verdammt unsexy - konnte ich einen Einblick diesbezüglich erhalten. Zunächst einmal sei gesagt, auch hier scheiden sich die Geister und es gibt zahlreiche Definitionen, unterschiedliche Bewertungen ihres Stellenwerts, yada yada yada. 

Die Position von Dr. Klaus K. Urban, u.a. Pädagoge, scheint mir persönlich eine der Sinnigsten zu sein. Ohne viel in die Tiefe zu gehen, will ich das Ganze mal zusammenfassen bzw. auf das Nötigste runterbrechen, ohne aber den Anspruch an Vollständigkeit und totaler Wissenschaftlichkeit zu erheben. Was für diesen Beitrag wichtig ist, ist Folgendes:
 

  • Kreativität umfasst bei Urban, dass die kreative Ideen eines Individuums zum einen für ebendieses neu ist und zum anderen in ein Produkt (Musik, Bild, etc.) umgesetzt werden. Damit ist ein Gedanke für sich alleine nicht als kreativ zusehen, sondern nur, wenn er mitgeteilt und in ein Produkt umgesetzt wird.
  • Zudem muss dieses Produkt eine gewisse Anerkennung von anderen Individuen erhalten bzw. eine Art Mehrwert für sie darstellen
  • Dabei wird nicht erwartet, dass das Rad neu erfunden wird; es kann auch die unübliche Kombination von Elementen sein wie „Ich schneide Wurst in mein Vanilleeis“ - wobei das sicherlich einige Schwangere bereits ersonnen und umgesetzt haben.
  • Demnach ist Kreativität mit einen gewissen Out-Off-The-Box-Denken verbunden, wobei kritisches Hinterfragen, das Reflextieren der eigenen Gedanken und Empathie ebenfalls in dem Definitionstopf geworfen werden.
  • Ferner ist auch die Motivation seine kreativen Impulse umzusetzen und am besten gar zu vollenden relevant in diesem Kreativitätsverständnis. – Jedoch entsinne ich mich gerade nicht, ob die Vollendung eines Werkes Bedingung  sein muss.
  • Urban listet zudem noch einen weiteren Punkt auf: Der Anlass von Kreativität geht mit einer Problemstellung einher, die durch die kreative Handlung gelöst werden soll. Ich bin mir derweil noch nicht sicher, auf was genau er sich da bezieht, würde es aber so erklären; der Impuls etwas Kreatives Umzusetzen kann das „Problem“ sein. Zum Beispiel, wenn ich bestimmte Ideen nicht umsetze, werde ich irgendwann so davon getrieben, dass es viele andere Gedanken verdrängt und ich meinen inneren Drang nachgehen muss, um den Kopf wieder frei zu haben. (Trivia-Fact: So ist auch dieser Text entstanden.)
Was mir in diesem Zusammenhang wichtig ist, ist, dass die wissenschaftliche Herangehensweise differenzierter ist, als das Alltagsverständnis gelegentlich vermuten lässt.


Also, kann man Kreativität jetzt essen?

Grundsätzlich ist es schwierig, das Ganze völlig aufzudröseln und auch dieser Blogartikel kann diesem üppigen Thema bei Leibe nicht gerecht werden. Es wirft das Dilemma auf, dass unter „Kreativität“ nicht jeder banale Scheiß verstanden werden sollte, aber gleichzeitig nicht erwartet werden kann, dass nur etwas völlig Neues darunter gefasst wird.

Bei der Existenzzeit der Menschheit, der Anzahl von Individuen, die bereits lebten oder es derweil tun, kann ein Gedanke zumeist noch nicht „nie gedacht“ worden sein. Allerdings kann er für eine Gruppe noch unbekannt sein. Wie zum Beispiel die Idee, Würstchen ins Vanilleeis zu schneiden; Das wäre eine neue Idee für Menschen, die noch nicht schwanger waren oder es unmittelbar bei anderen miterlebt haben. Gleichzeitig verdeutlicht dieses Beispiel auch den Aspekt der Kombination von den bekannten Elementen Wurst und Vanilleeis zu einen neuen - möglicherweise - kulinarischen Hochgenuss. Ebenso kann das Zweckentfremden von Elementen außerhalb ihrer ursprünglichen Bedeutung mitunter als kreativ bewertet werden. Zum Beispiel repariere ich viele Sachen mit Dübeln; wie die Klorollenhalterung meiner alten Wohnung. Da Klorollenhalterungen nicht zum natürlichen Habitat von Dübeln - also der Wand - gehören, kann man hier durchaus von Out-Of-The-Box-Denken sprechen. 



Und wonach schmeckt sie?! - Nach Wurststückchen im Vanilleeis

Was ist also die Conclusio meines Wurstgeschwafel zum Thema Kreativität? Was bleibt, ist, dass wissenschaftliche Positionen zur Kreativität ein deutlich differenziertes Bild des Begriffes aufweisen, als der alltägliche Inflationsgebrauch unserer Gesellschaft. Das hat zur Folge, dass ich als Autorin/Kättoonistin diese Zuschreibung zumeist als unangenehm empfinde; Schließlich bin ich mir bewusst, dass das Wort „Kreativität“ öfters in den Mund genommen wird als so manche Zahnbürste. BTW, von einer befreundeten Autorin weiß ich, dass es ihr ebenso geht und es ist doch arg unwahrscheinlich, dass nur wir das so empfinden.

Es wäre begrüßenswert, nicht jeden Schmuh kreativ zu schimpfen und - da lehne ich Urbans Ansichten zu einen gewissen Maß ab - die Anerkennung sollte nicht eine Rolle spielen; Zumindest sollten immer wieder durchgenudelten Themen trotz breiter Anerkennung nicht bedingungslos als kreativ bewertet werden, sofern deren Ausgestaltung sich nur gering von den anderen Erzeugnissen unterscheiden. Der Tausendesten Roman über die verbotene Liebe zwischen Pastor und Gemeindemitglied sollte wenigstens in stilistische oder elementbezogenen Aspekten neuartig sein; Vielleicht spielt er in einer fernen Zukunft, in der die Pastoren prophylaktisch ein Keuschheitsgürtel tragen müssen, der bei sexueller Erregung einen Stromschlag abgibt oder dass sich Kleriker und Schäfchen bei einen gemeinsamen Essen von Vanilleeis mit Wurststückchen näher kommen. - Wahrscheinlich hat jemand diese Ideen bereits umgesetzt und ich hoffe, dass mir diese Person ein signiertes Exemplar davon zukommen lässt. 



Kreatives Dilemma: Zwischen Neuartigkeit und Wiedererkennung

Wenn man sich als Schaffender über das Stadium „Ich mache, was mir gefällt! Egal, was andere dazu sagen.“ hinaus ist und sagt „Ich mache, was mir gefällt, aber ich möchte nicht im homogenen Matsch von Erzeugnissen versumpfen. Es ist mir zwar egal, was die meisten sagen, aber nicht bei meiner Zielgruppe.“ werden andere Dimensionen des Kreativitätsverständnis deutlich. Damit ist man dann in der Regel schon über die privaten Gebrauch der eigenen Kreativität hinaus und strebt an, weitere Kreise zu erreichen. Als jemand, der mit seinen Kram nicht nur das nahe Umfeld erfreuen mag, sondern ein größeres Publikum anstrebt, sind Gedanken zur eigenen Positionierung und Kreativität ziemlich hilfreich. Einige meiner Autorenkollegen und ich sind uns da einig, dass wir uns der Herausforderung stellen, den eigenen Stil zu bewahren und gleichzeitig sich oder andere nicht einfach ständig zu reproduzieren. Dass die Erzeugnisse eines kreativen Kopfes durch die eigene Person zu einer gewissen Ähnlichkeit kommen können, liegt nahe, und ist mitunter sogar erwünscht. Dabei ist der Balanceakt sich zwischen eigenen Stil, aber ohne zu große Ähnlichkeit zwischen eigenen Produkten untereinander sowie den Ergüssen zu bewegen. Ob und in welcher Ausprägung man Differenzen und Gemeinsamkeiten des Eigenen haben möchte, muss dabei jeder selbst überlegen, nur macht es das Ganze nicht wirklich übersichtlicher. Aber: Es muss nicht alles immer exorbitant kreativ sein; wichtig ist vor allem, dass es den Lesenden in irgendeiner Weise erfreut.


 
Kreativ oder nicht-kreativ, das ist hier die Frage!

Wie dem auch sei, ohne, dass ich die Zuschreibung von Kreativität auf mich selbst anwenden möchte, so wäre mir ein differenzierteres Alltagsverständnis willkommen. Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass ein gewisser subjektiver Spielraum in der Kreativitätsdeklarierung vorhanden ist. Was Kreativität wirklich ausmacht, ist derweil nicht - oder vielleicht auch nie - klar festzulegen. Muss man aber auch nicht, denn Kreativität ist eine Sache, die besonders dem persönlichen Geschmack unterliegt. Sie ist etwas, was nur schwer zu fassen und noch schwerer zu definieren ist.
Dennoch würde ich es begrüßen, wenn mit diesem Begriff nicht um sich geschmissen wird wie mit Erkältungserregern beim Niesen. Damit will ich bei Leibe nicht den Mehrwehrt eines Buches schmälern, dass eine Geschichte, die schon so oft erzählt wurde, beschreibt. Auch das kann den Leser beglücken, weil es vielleicht bestimmte Aspekte mehr betont als die anderen Varianten. Aber Kreativität sollte mehr sein, als nur ein paar Striche, ein paar Reime oder ein paar Noten und mal ehrlich, nicht alles, was jemand macht, muss immer total „kreativ“ sein.  – Und das gilt auch für Schaffende, die damit Geld verdienen.