Sonntag, 19. Februar 2017

Science, Bitch – Die Seelenverwandtschaft zwischen Wissenschaft und Kunst



Quelle: Know your Meme
Auf den ersten Blick werden viele bei dem Titel dieses Beitrags ihre Stirn runzeln, bis sie sich nicht mehr von der eines Mopses unterscheidet. Da ich auf beiden Seiten tätig bin, bin ich so verwegen und stelle diese wahnwitzige Hypothese auf. Möglicherweise gilt sie auch nur für mich und die Sozialwissenschaft sowie dem Schreiben und Zeichnen, jedoch leuchtet sie nach einer kleinen Beschreibung gewiss mehr ein. Übrigens, wer jetzt mit dem Kram von analytischer, rationaler Hirnhälfte und der kreativen, emotionalen Hirnhälfte anfangen will: Gratuliere, du bist auf eine der kollektiv rum kursierenden Gehirnmythen reingefallen, denn so einfach ist das Ganze nicht zu differenzieren. BTW so habe ich mich natürlich diesbezüglich noch mal bei einem Neurobiologen abgesichert, nur um sicher zu stellen, dass ich keinen Kappes erzähle.  (An dieser Stelle nochmal ein Danke an Andy!)

Nun zum eigentlichen Thema: Wie komme ich denn zu dieser vermeintlich abstrusen Hypothese?!
Und zur Sicherstellung: Ich kann nur von meinem Vorgehen aus sprechen, nur von meiner Wissenschaftsdisziplin und nur vom Schreiben (und Malen) aus. Allerdings, so seid gewiss, kann euch jeder Naturwissenschaftler bestätigen, dass bestimmte Schritte auch in seinem Bereich getätigt werden – nur halt anders ausgeführt.

Zunächst einmal gilt es sich von folgenden Vorstellungen bezüglich
Wissenschaft und Kunst zu verabschieden.
In der Wissenschaft kann das Ergebnis immer anders ausfallen als gedacht, ebenso in der Kunst. Zudem muss der genaue Ablauf dem Forschungsgegenstand angepasst werden. Nicht jede Methode funktioniert bei jedem Forschungsgegenstand. Ich kann zum Beispiel menschliches Verhalten nicht gleichermaßen so untersuchen wie das von einzelligen Organismen oder Tieren.
Und in der Kunst – ich beziehe mich im Folgenden auf das Schreiben und Kät-Toons fabrizieren - ist es bei Leibe nicht so, dass man einfach drauf los wuselt. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass es manche Menschen schaffen, ohne großartige Gedanken etwas Brauchbares zu produzieren aber bei mir und den mir bekannten ist das nicht der Fall.
Forschung wie Kunst benötigen eine gewisse Planung, damit etwas Sinniges rauskommt. Wie umfangreich jedoch die Planung ist, kann  von Projekt zu Projekt variieren.

Und bei dem Begriff Projekt sind wir auch schon ganz gut bei der Thematik. Forschung besteht aus diversen Projekten und das Schreiben eines Buches, das Malen eines Bildes oder das Entwickeln eines Comics sind ebensolche Projekte.

Damit man sich das besser vorstellen kann, werde ich kurz einen Ablauf eines wissenschaftlichen und eines künstlerischen Projektes skizzieren. Wichtig ist, dass das nur ein grober Ablauf ist, der zum einen nicht immer linear abläuft und zum anderen durch verschiedene Unterschritte bereichert werden kann. Zudem können mehrere Schritte gleichzeitig geschehen und bei beiden Bereichen wird man regelmäßig von Epiphanien heimgesucht. Nicht zuletzt ist die wissenschaftliche Muse genauso undankbar und fordernd wie die künstlerische Muse.

Phase 1: Am Anfang war die Idee - Von der Muse geküsst
In der Wissenschaft
In der Kunst
Zu Beginn eines Forschungsprojektes steht immer eine Idee zu einen Thema oder direkt eine konkrete Fragestellung. Man kann auch direkt eine Hypothese entwickeln, die es nun wissenschaftlich zu belegen gilt. Dabei muss dieser Teaser nicht aus einem selbst entstehen, sondern kann durch Impulse von außen angestoßen werden. Ein Freund kann einem zum Beispiel etwas berichten und man denkt sich „Hm, interessant. Das würde ich gerne näher erforschen.“ Oder „Daraus könnte man doch eine Forschungsfrage machen.“.
Sofern noch keine brauchbare Fragestellung besteht, muss eine sinnige entwickelt werden.

Die allseits bekannte Muse kann einem immer mit einer plötzlichen Idee einen Impuls liefern. Es können sich auch Fragen in einen auftun, die den Anstoß geben; Was würde passieren, wenn…

Solche Impulse können ebenso von außen wie aus einem selbst kommen. Zum Beispiel durch Freunde, die meinen „Mach doch mal…“ oder aufgrund einer Ausschreibung für eine Anthologie.
Wie hoffentlich deutlich geworden ist, beginnen beide Prozesse mit den Gedanken zu einem bestimmten Thema, welche bereits mehr oder weniger ausgereift und konkret sein können. Die Impulse solcher Ideen können dabei aus einem selbst heraus entstehen – aufgrund eines Erlebnisses, einem Interesse, etc. – oder durch Anregung von außen entstehen – als auch durch ein bereits geplantes Forschungsprojekt oder eine Ausschreibung zu einen Text. In der Wissenschaft kann ein bereits genehmigtes Projekt schon recht ausdifferenziert sein, so dass der darauffolgende Schritt nicht unbedingt zutrifft. Entwickelt man das Projekt jedoch von Beginn an selbst, sieht es wieder anders aus. Dazu sei noch zu sagen, dass an einem Forschungsprojekt in der Regel mehrere Menschen mitarbeiten und Fristen einzuhalten sind. Das ist beim Schreiben nicht zwangsläufig so, aber auch hier tausche ich mich während des gesamten Projekts mit Menschen aus, die Anregungen oder Lösungsvorschläge bieten. 

Phase2: Planung und Vorbereitung – Hilfe, was soll ich tun?!
Zunächst muss geprüft werden, ob jemand schon zu diesem Thema geforscht hat. Kann man daran anknüpfen oder es gar verbessern? Oder ist es vielleicht völliges Neuland?
Erst wenn das geklärt ist, kann konkret geplant werden, da sonst unklar ist, ob eine weitere Forschung dazu nützlich wäre und welche Bereiche schon abgedeckt sind.
Die eigentliche Planung läuft unter der Prämisse „Wie kann ich meine Forschungsfrage am besten beantworten?“ Sprich: Welche Methode(n), welche Art von Daten und deren Erhebung sind sinnvoll. Und nicht zuletzt muss man an die Forschungsgelder kommen. Dazu muss man bereits schon einiges an ausgearbeiteter Planung vorweisen und hervorheben, wieso ausgerechnet das jetzt nützlich ist.  
Hier stellt natürlich nicht zwangsläufig die Frage, was dazu schon auf dem Markt ist. Je nachdem, ob man sich mit seinem Werk eine eigene Nische schaffen will oder in Tradition bestimmter Genres schreibt.
 Ich persönlich kümmer´ mich in der Regel darum herzlichst wenig. Da ich in erster Linie das Ganze für mich mache, ist es mir zunächst wumpe, ob es schon die 666. Version von irgendwas ist.
Dennoch ist die Planung nicht zu unterschätzen – Zumindest bei mir. Dabei geht es nicht um eine bereits komplett ausgearbeitete Geschichte, die nur noch niedergeschrieben werden muss. Ich sinniere  zuvor noch über die Handlung (also dem Plot) sowie über die Charaktere. Daraus ergibt sich eine grobe Struktur, die ich stichpunktartig mehr oder weniger schriftlich fixiere, um mich daran beim Schreiben zu orientieren.  Das ist besonders nützlich, wenn das Projekt aus welchen Gründen auch immer eine Zeit lang bei Seite gelegt wird. Während der eigentlichen Schreibphase ändert sich die Struktur; Manchmal wird was weggelassen oder abgeändert.
Je nachdem, wie wichtig einem eine gewisse Genauigkeit und Korrektheit bei seinem Werken ist, recherchiert man noch in den jeweiligen  Themenbereichen.

Neben der eigentlichen Handlung mache ich mir gelegentlich Gedanken  dazu, was ich mit meinem Projekt ausdrücken und/oder bewirken will. Natürlich ist dann noch zu bedenken, wie ich das erreichen kann. Will ich den LeserInnen ein nachdenkliches Gefühl vermitteln, muss ich mich zum Teil anderer Stilmittel bedienen, als wenn ich sie in traurige Stimmung versetzen möchte. Damit will ich jedoch bei Leibe nicht sagen, dass man nur einfach bestimmte Stilmittel verwenden muss, um die gewünschte Stimmung zu erzeugen.

Zusammengefasst wird deutlich, dass ich mir bei beiden Bereichen vorab Gedanken zu den Zielen mache und wie ich sie am sinnigsten erreichen kann. Dabei sind Faktoren wie Zeit, Möglichkeiten oder auch finanzielle Kosten mehr oder weniger vordergründig.
Das sich das intensive Befassen mit einen Projekt – ganz gleich ob in der Wissenschaft oder in der Kunst – immer auch Auswirkungen auf einen Selber hat. So gerne ich das jetzt aufdröseln möchte, so bedürfte das doch einen eigenen Beitrag, so dass ich es ganz platt nur darauf runterbreche, dass beides von Natur aus reflexive Prozesse beinhaltet und dadurch, dass man sich in einen Thema reinbuddelt nicht drum rum kommt es ein Stück weit zu internalisieren.

Phase 3: Die Durchführung – Schreiben bis der Arm abfällt.
Hat man es also geschafft, die Hürden der Planung zu überwinden,  geht es ans Eingemachte.
Durch die gewählte(n) Methode(n) werden Daten erhoben, die im Anschluss ausgewertet werden und im Kontext zur Fragestellung interpretiert werden.
Dabei ist es möglich, dass die entstandenen Daten Aspekte aufweisen, mit denen man nicht gerechnet hat. Je nachdem, was das für Aspekte sind, muss etwas ergänzt, weggelassen oder erneut durchgeführt werden. Oder die Daten zeigen, dass die entwickelte Hypothese nur zum Teil oder gar nicht stimmt – Was aber auch ein Ergebnis ist.

Die Daten, Recherchen und Ergebnisse werden dann in einem fancy Forschungsbericht, einer abgefahrenen Abschlussarbeit oder einen pathetischen Paper schriftlich zusammengeführt. Damit gehen auch bestimmte Textkonventionen her. Anhand eines Beispiels lässt sich das möglicherweise besser verdeutlichen. Dazu entsinnen wir uns alle an den Deutschunterricht, bei dem wir genötigt wurden Texte unterschiedlicher Art zu schreiben. Ein Sonett hat andere Bausteine als eine Kurzgeschichte.
Wenn das Projekt mehr oder weniger grob skizziert ist, kann ich auch hier zur Tat schreiten: Das heißt Schreiben bzw. Zeichnen.
Wenn alles gut vorbereitet ist, so kann ich recht gut vorankommen ohne großartig in Unklarheiten zu versumpfen. Bei der Durchführung können sich spontane Einfälle aufdrängen, die schließlich das Werk bereichern. Gelegentlich entwickeln Figuren eine Art Eigenleben und sie werden anders, als vorab geplant. Zum Beispiel bei meinen Kät-Toon „House of Bs“ wurde der Mathematiker Bram zynischer und grumpier als ich es vorgesehen hatte.
Bei beiden Projektarten habe ich persönlich von einer üppigen Vorbereitung profitiert. Ideen und Einfälle, die andere Individuen vielleicht beim Schreiben bekommen, habe ich schon vorher gehabt. Das bedeutet mitnichten, dass mir da keine spontanen Epiphanien mehr begegnen, insbesondere, da Schreiben an und für sich schon ein reflexiver Prozess ist.

Beim Forschungsprojekt jedoch ist häufig das Ergebnis zu einem gewissen Maß ab einem gewissen Zeitpunkt  abzusehen. Da ich nicht mit dem Schreiben beginne, bevor ich die Vorbereitung im Großen und Ganzen beendet habe, ist mir schon klar, worauf das hinausläuft. Ich kenne allerdings auch Menschen, die bereits in der Vorbereitungsphase mit dem Schreiben beginnen, das sieht bei denen wahrscheinlich anders aus.

Beim Schreibprojekt stellt sich das bei mir unterschiedlich da. Manchmal weiß ich so ungefähr, worauf es hinausläuft und in manchen Projekten ergibt es sich während des Schreibens. Zum Beispiel bei meiner „Klapsocalypse“ habe ich noch kein konkretes Ende gehabt, sodass ich bei Beginn des Schreibens nur eine diffuse Ahnung hatte, welche Aspekte zum Ende auftauchen werden oder nicht.
Phase 4: Das Ergebnis – Ich habe fertig!
Nach diesem Wust ist die Arbeit noch nicht getan. Das Geschriebene wird überarbeitet. Das umfasst nicht nur die Rechtschreibung und Grammatik, sondern auch die Struktur, Sinnigkeit der Argumentation, etc.
Je nachdem, in welcher Form die Ergebnisse genutzt werden sollen, steht die Veröffentlichung oder Weiterverwertung an.
Dabei ist das Endprodukt nicht annähernd so umfangreich, wie die hineingeflossene Arbeit, aber diese Arbeit ist wichtig, um es in einen großen Ganzen sinnvoll zu verweben.
Allerdings können sich daraus weitere Forschungsfragen anschließen: X ist so, aber warum ist X so?
Und voilà - die Rohfassung eines Werks ist erschaffen. Die muss allerdings überarbeitet werden. Dies kann unter unterschiedlichen Gesichtspunkten geschehen: Sinnzusammenhänge und Logik der Geschichte, Stimmigkeit der Erzählweise, etc.
Ebenso wie bei der Forschung ist die vorangegangene Arbeit immens im Vergleich zum Ergebnis.
Dann stellt sich die Frage, was mache ich mit dem Werk? Möchte ich es veröffentlichen oder verschwindet sie in schmachvoller Versenkung in der Schublade?! Und wenn ich es veröffentlichen will, dann im Verlag, welcher ja auch gefunden werden muss, oder als Selfpublisher?
Ferner kann auch hier das Ergebnis zu weiteren Arbeiten in diesem Bereich führen, zum Beispiel einer Fortsetzung, einem Spin-Off oder die Thematik hat mich so angeteast, dass ich mich noch weiter in dem Bereich aufhalten möchte.
Zusammenfassend sei auch hier gesagt, dass hinter einem vergleichsweise kleinen Produkt ein absurder Wust an Zeit und Mühe steckt. Das daraus resultierende Ergebnis ist quasi die Essenz der getanen Arbeit.
Ebenso wird beides noch überarbeitet, verbessert und optimiert. Man findet immer etwas, mit dem man unzufrieden sein kann. Irgendwann sollte man sich daher selbst den Riegel vorschieben, sonst wird ein Projekt nie fertig.
 

Generell bleibt also festzuhalten, dass beide Bereiche, so vermeintlich unterschiedlich sie auch erscheinen, sich in ihrer Vorgehensweise ähneln. Es muss zu einem gewissen Maß geplant und organisiert werden. Zudem kommen immer wieder unerwartete Schwierigkeiten oder Ideen im Verlaufe des Prozesses.

Ich möchte noch anführen, dass ich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit bei meinen Ausführungen erhebe und es durchaus bei anderen Individuen anders verlaufen kann. Ich kann da nur von meiner Arbeit sprechen.
Sofern jetzt jedoch deutlich geworden ist, dass Wissenschaft nicht so stupide und platt abläuft, wie es häufig den Eindruck erwecken mag, und dass Kunst mehr ist als nur ein bisschen Malen oder Schreiben, dann hat mein Beitrag seinen Zweck erfüllt.

In diesem Sinne:
Science, bitch!
Und:
Art, bitch!

Mittwoch, 25. Januar 2017

Montag, 19. Dezember 2016

Weihnachtliche Besorgungsnöte?! Nicht mit der Klapsocalypse!

Kät auf 9gag:  http://9gag.com/gag/aMwZ3BW
Na gut, eigentlich wollen die meistens sich der jährlichen Materialschlacht hinsichtlich des Saturalienfestes entziehen, aber dann steht man doch da und will etwas käuflich erwerben. 

Und was eignet sich besser dazu, als ein skurriles Werk wie die Klapsocalypse?! Um Andere damit zu erfreuen oder sich selbst zu beschenken. Vor allem, wenn man sich dafür nicht in den menschlichen Haufen in den Kaufhäusern werfen muss?!

Also einfach beim Ruhrliteratur-Verlag eine Klapsocalypse in den Warenkorb schmeißen oder sich das E-Book anschaffen und sich auf lustige Feiertage freuen.

In diesem Sinne: Wer´s zu ernst nimmt, ist selber schuld. ;)

Montag, 7. November 2016

Veröffentlichung: Klapsocalypse

Sooo, endlich ist es so weit. Mein Erstlingswerk ist endlich veröffentlicht! Ihr könnt es euch direkt bei dem Ruhrliteratur-Verlag bestellen oder bei dem digitalen und analogen Bücherdealer eures Vertrauens besorgen. Neben dem Old-School Buch gibt es mein Werk auch als E-Book.

Aber was erwartet euch?!

Am Besten umfasst es der Klappentext:
Malerisch auf einem grünen Berg gelegen, von der Herrlichkeit der Natur umgeben und in einer idyllischen Illusion mit zwitschernden Vögeln, blühenden Blumen und brünftigen Hirschen befindet sich die renommierte Psychiatrie des genialen wie egozentrischen Dr. Dr. Johannes von Hodenbaum. Wer in dieser sterilen, bisweilen seelenvernichtenden Einrichtung landet, dem ist meistens nicht mehr zu helfen; das gilt für die Patienten ebenso wie für das Personal. Und ausgerechnet in dieser abgelegenen Pampa, am Podex der Welt, soll die Soziologin Dr. Freya Lindström mit dem Psychologen Dante Herrmann eine wissenschaftliche Studie durchführen. Natürlich ist schon allein die Kombination aus Metallerin Freya und Hipster Dante gelegentlich etwas schwierig, aber mit den noch verbleibenden Mitarbeitern der Klinik wird es gewiss nicht weniger komisch. Als das ungleiche Forscherduo auch noch die seltsamen Ereignisse bemerkt, die sich in diesem Hort der armen Seelen zutragen, wird das Ganze noch ominöser. Wie soll es auch anders sein, so werden die zwei Wissenschaftler nicht nur ihrer edlen Aufgabe der Wissensakquirierung und Erkenntniserlangung nachgehen, denn die Geschehnisse sind dann doch einfach zu faszinierend und zu strange.

Dieses Werk ist aufgrund seiner mannigfaltigen wie abstrusen Anspielungen mit seinem Streifzug durch Psychiatrie und Wissenschaft nicht immer ernst zu nehmen. Wer sich allerdings an schwarzem Humor aufreibt oder sich schnell pikiert fühlt, wird dieses Buch wohl angewidert an den Kopf des nächsten Menschen schmeißen, der das Unglück hat, diesen zu passieren. Handelt es sich aber bei dem Beworfenen um jemanden, den aber genau das anspricht, findet er in diesem Machwerk des semantischen Jonglierens mit Eloquenz und Alltagssprache genau das, was er braucht. Und wer's zu ernst nimmt, ist selber schuld.

What you read, is what you get!

Also schnell auf Amazon, zur Mayersche oder direkt vom Verlag und besorgt euch das gute Stück. Eure Lachmuskeln werden es euch danken!

Dienstag, 28. Juni 2016

Schreiben mit Legasthenie



Zunächst stellt sich die Frage aller Fragen: Was zum Teufel ist Legasthenie eigentlich? Darüber grübeln schon die ForscherInnen seit Jahrzehnten, ohne es wirklich erklärt zu haben. Von Lernbehinderung zur Störung ist alles dabei, wird aber in der Regel platt mit „Lese-Rechtschreib-Schwäche“ definiert. Oft habe ich den Eindruck, dass der Begriff Legasthenie im Volksmund inflationär verwendet wird, sobald jemand nicht gut lesen oder korrekt schreiben kann – fast so wie die Eigendiagnose „Depressionen“, wenn man mal ´ne zeitlang nicht gut drauf ist. Aber das ist eine ganz andere Baustelle…

Aber was bedeutet Legasthenie für mich? Vorab: Ich hab es tatsächlich diagnostiziert bekommen – eine mittelschwere Legasthenie. Diagnostiziert verweist ja schon darauf, dass es als etwas Krankes, nicht Normales angesehen wird. Aber wie drückt sie sich aus? Bei mir ist das relativ simpel: Mir fehlt das Gefühl für die Sprache. Nun, dass ist auch nicht ganz richtig, sonst wäre ich wohl eine echt reudige Autorin. Es ist allerdings schwer etwas zu beschreiben, dass man selber nicht vergleichen kann. Aber vielleicht verdeutlicht es ein Beispiel:  Wenn ich nicht weiß, wie ich ein Wort schreiben soll und nachfrage, so hilft mir die Antwort „Wie man´s spricht.“ so gar nicht weiter. Also so wirklich gar nicht. Wenn ich wüsste, wie man´s spricht, so würde ich nicht nachfragen. Letztendlich läuft es bei mir darauf hinaus, dass ich langsamer lese und das Lesen für mich irgendwie anstrengend ist und keine entspannende Wirkung hat oder eine Freude für mich ist. Ich lese, weil mich die Neugier über ein Thema packt und ich mich der Erkenntnis Willen informieren will – Möglicherwiese lese ich deswegen fast ausschließlich Sachbücher. Lesen ist für mich nichts, was ich gerne tue, sondern als Mittel zum Zweck. Im Gegensatz zum Schreiben, wobei ich in stressigen Situationen manchmal „vergesse“, wie man etwas korrekt schreibt. Ebenso habe ich ein Problem mit N und M – im Zusammenhang mit dem, den, einem, einen, bla bla bla und trallera.  Und trotz dieser Schwierigkeit, die andere scheinbar nicht haben, merkt es keiner. Faszinierenderweise kommt niemand auf die Idee, ich könnte Legasthenikerin sein.

Aber fangen wir von Vorne an: In der Grundschule, 3. oder 4. Klasse, brachte ich nur noch fünfen und sechsen in Diktaten nach Hause. Glücklicherweise waren schlechte Noten bei meinen Eltern nichts Dramatisches, sondern etwas, was passieren kann. Mein Lehrer hegte schließlich den Verdacht, ich könnte Legasthenie haben. Meine Mutter – selber damit belastet – und mein Vater mussten nicht wirklich überredet werden, das austesten zu lassen. Und als dann feststand, dass es sich tatsächlich um Legasthenie handelt, lag es nahe, Förderunterricht zu besuchen. By the way: Meine Mutter betont immer, dass es Förderunterricht und keine Nachhilfe war, weil sie meint, dass es sonst falsch rüber kommt. Ich persönlich sehe das Anders.  
Da jedoch meine Mutter  aus eigener Erfahrung weiß, wie schwierig „unbehandelte“ Legasthenie ist und mein Vater - vernünftiger als jeder Vulkanier - war keine Überzeugung nötig, diesen Förderunterricht zu finanzieren. Also ging Klein-Kathy Jahrelang zum Förderunterricht, zeitweise eine Stunde deutsch und eine Stunde englisch hintereinander. Und wie die Jahre vergingen, konnte sich in meinen Hirnwindungen die sonderbare Vielfalt des grammatikalischen Wulst soweit einprägen, dass man mir diese Problematik nicht anmerkt. Das fruchtete soweit, dass ich nach der Realschule das reibungslos Abitur machen konnte und schließlich erfolgreich studierte.  An dieser Stelle noch ein ABSURD ADIPÖSES DANKESCHÖN an meine Eltern, die durch dem Förderunterricht und der stetigen Unterstützung meinen Lebensweg erleichterten.

Ich hatte wirklich Glück mit meinen Umfeld, denn weder Familie, Freunde noch im Bereich der Schule hat mich irgendjemand diesbezüglich geärgert oder mir ein negatives Gefühl bereitet. Möglicherweise, weil viele nichts davon wussten, schließlich hatte die Legasthenie nie eine wirkliche Bedeutung für mich. Meine Mutter hatte mir schließlich immer wieder versichert, dass LegasthenikerInnen nicht dumm sind und manche äußeren Reize einfach anders im Gehirn verarbeiten als Nicht-LegasthenikerInnen. Das erste, wirkliche Mal bei dem ich eine negative Reaktion zu meiner Legasthenie erlebte, war recht spät. Ich war in der 13. Klasse und als ich von meiner Legasthenie berichtete, wollte mir das eine Klassenkameradin nicht glauben, mit der - ich nenne es mal interessanten - Begründung „Dann könntest du ja nicht mal deinen Namen richtig schreiben.“ – Jaaaaaa, nee, is klar. Und richtig sprechen kann ich ja auch nicht…
Ich war über so viel Ignoranz wenig erfreut. Gut, ich reiche in der Regel wichtige Texte zum Korrigieren an andere weiter und sein wir mal ehrlich – digitale Rechtschreibkorrektur ist ein Segen - , aber das jemand mit Legasthenie als quasi dumm gelten könnte, darauf wäre ich nie gekommen.

Und wie ist das mit dem Schreiben?! Dank des neutralen bis positiven Umgangs meiner Umwelt mit meiner Legasthenie, hatte Schreiben und Lesen nie eine negative Assoziation für mich. Warum auch? Ich habe bereits vor der Diagnose selber Gedichte und Songtexte geschrieben und auch wenn ich zur Gänze unmusikalisch bin, hat mich nie etwas davon abgehalten. Ich habe es einfach gerne getan und tue es immer noch gerne, so wie ich schon seit dem Kindergarten gerne male. 
Also habe ich trotz Legasthenie-Feststellung weiter geschrieben und mit 14 Lenze sogar mein erstes eigenes Buch angefangen. Und auch wenn unerfreuliche Momente bezüglich meiner Rechtschreibung auftauchten, so wusste ich stets, dass es halt mal passieren kann, auch ohne Legasthenie – So what? Die Welt ging nicht unter und im Zweifelsfall habe ich einfach auf meine Legasthenie hingewiesen. Ob die Menschen das glauben oder für eine Ausrede halten, keine Ahnung, aber ich weiß, dass es wahr ist.

Wieso berichte ich eigentlich davon? 
Ich habe mit einer Bekannten gesprochen, die als Psychotherapeutin tätig ist, und beiläufig von meiner Legasthenie berichtet. Sie war verwundert, dass ich trotzdem ein gesundes Selbstwertgefühl besitze. Sie meinte, dass viele LegasthenikerInnen deswegen Probleme mit dem Selbstbewusstsein hätten. Vermutlich ist vor allem der Umgang meiner Familie ausschlaggebend dafür, dass das für mich kein Problem darstellt. Jedoch es gibt leider viele LeidensgenossInnen, denen es anders geht und die vielleicht deswegen manche Dinge nicht wagen. Wenn die Kreativität in einen brodelt, dann ist es egal, ob Legasthenie oder nicht. Aber die Scham oder andere, negative Empfindungen sollten niemanden daran hindern sich (kreativ) im Schreiben auszutoben! Wenn ich schreibe, dann aus Leidenschaft, aus den Drang der Muse, die eine Geschichte erzählen will und es ist für den Moment wumpe, ob die Rechtschreibung stimmt - Ich sagte ja bereits, Rechtschreibkorrektur ist ein Segen - , denn das ist erst später relevant bei der Bearbeitung. Und man hat immer noch die Option, sein Geschriebenes einen Vertrauten zu offenbaren, dessen Verständnis man sich gewiss sein kann.  Das gilt für´s kreative Schreiben genauso wie für das wissenschaftliche Schreiben und es stimmt Übung macht den Meister. Sich mit dem Problem auseinanderzusetzen hilft schließlich auch mit dem Umgang damit.

Ich kann niemand seinen Weg aufzeigen oder was am besten funktioniert. Ich hatte viel Glück, aber ich bin der lebende Beweis, dass Legasthenie kein Hindernis ist, zu schreiben und Autorin zu sein.