Sonntag, 9. April 2017

Die ernste Seite des Humors oder auch die skurrilen Irrtümer des Lachens


Das epische Vorwort
Vorab möchte ich anführen, unter welcher Prämisse ich diesen Text verfasst habe; nämlich, dass ich ein amüsanter Mensch bin. So ist zumindest mein eigenes Selbstbild, welches sich in all den Jahren meiner Sozialisation im Zuge zahlreicher Interaktionen mit anderen Menschen herausgebildet hat. Gut, wenn ich etwas absondere und jemand lacht, muss das nicht zwangsläufig aus dem dadurch entstandenen Frohsinn erfolgen, so kennen wir doch alle das ungläubige Lachen in Situationen, die einem zu kurios und irreal erscheinen, dass sich unsere Irritation durch ein Auflachen entlädt. Aber ich speise meine Annahme auch aus direkten Aussagen jener Menschen, die mir sagen ich und meine Werke seien witzig. Bei vielen verschiedenen Personen, die einem sowas mitteilen, lässt sich also ein gewisser Wahrheitsgehalt ableiten.


Der Sinn und Zweck dieses Beitrags
So, und was gedenke ich nun mit diesen relativ ernsten Text über Humor auszudrücken?! Es ist mir einfach ein Bedürfnis, da ich mich zum Zeitpunkt der Rohfassung in einem schlafarmen Erkältungsdelirium befinde und schlicht weg der Meinung bin, dass ich das jenseits reiner Selbstreflexion kundtun möchte. Was wer daraus mitnimmt, sei jedem selbst überlassen. Wen es schlichtweg wumpe ist, kann den Beitrag auch frech und keck überspringen.

Nun, wer jetzt weiterliest, wird einen kleinen Einblick in kreative Prozesse erhalten und erahnen, wieso, weshalb, warum (Wer nicht fragt bleibt dumm - Obwohl auch fragende Menschen nicht zwangsläufig weniger dumm sind…)


Die KÄTakombenen des kahnerischen Humors

Da ich ein mannigfaltiges Humorverständnis habe, bieten sich mir natürliche Einstreuungen diverser Spielarten des Amüsanten in meinen Werken dar. Schon alleine, weil ich etwas besitze, dass einige meiner Familienmitglieder besitzen, hab´ ich vielleicht sogar einen kleinen Vorteil. Ich nenne es liebevoll den „Kahner-Charme“. Dazu muss ich sagen, dass man besagten Kahner-Charme live erleben muss, um seine gänzliche Wirkung zu „genießen“, ich nur die Light-Version davon besitze und es herzlich wenig mit Charmant-sein zu tun hat. Er umfasst viel mehr eine Kombination aus zum Teil staubtrockenen Feststellungen, die direkt und gelegentlich äußerst kreativ, dennoch passend im Sinne der Realitätsnähe und manchmal auch neckisch formuliert sind, sowie eine fast schon beängstigend akkurate Gabe, unschickliche Themen schnörkellos auszusprechen. Damit habe ich gerade den ersten Versuch unternommen, den Kahner-Charme zu artikulieren, aber jeder, der eines meiner damit gesegneten Familienmitglieder - allen voran mein Vater und meine Brüder - persönlich kennt, weiß ganz genau, was ich meine. 
Dieser sagenumwobene Kahner-Charme bietet von sich aus Humorpotential für die jenigen dar, die nicht zimperlich und immer „Mimimimi“-offended sind. Da ich mich ebenso aber auch an bitterbösen, exorbitant schwarzem Humor ergötze, ebenso wie an albernem Klamauk à la die nackte Kanone oder britischem Humor in der Monty-Pythischen Tradition sowie platten Wortwitzen, bieten sich weitere Optionen, die an den Kahner-Charme anknüpfen. Dazu noch etwas schmutzig-obszöner, aber auch politisch inkorrekter Kram ebenso wie eine gewisse Vorliebe für kluge Witze und Subversivität, aber auch mehr oder weniger offensichtliche Anspielungen sowie ein Hang zur Skurrilität und TADAAA - ein kleiner Ausschnitt meiner humoristischen Vorlieben. Also der kahnerische Humor, in dessen Kätakomben ihr euch auf dem Kahnerium befindet (Haha – ein wunderschön flacher Wortwitz, der derart dorsoventral abgeflacht ist, dass man ihn faxen könnte).

Und sofern es noch nicht offensichtlich ist: Mein eigenes Humorverständnis ist ziemlich kennzeichnend für meine kreativen Ergüsse, denn so einfach wie banal es ist: Ich produziere das, was mich auch selber zum Lachen bringt – Also, mehr oder weniger.


Humorinception
Ein breite Palette bietet demnach eine umfangreiche Ideenquelle für Lustiges, welches sich zudem auf mehren Ebenen verarbeiten lässt und damit auch mehr Menschen ansprechen kann. Ich will nicht behaupten, dass mir das immer (gut) gelingt, aber fühlt euch jetzt mal dazu veranlasst, meine Werke dahingehend zu konsumieren und mich mit (An)Fragen zu bombardieren.
Zwar geschieht dieses Aufgreifen mehrerer Humorebenen und -arten nicht unbedingt immer bewusst und natürlich sind die einzelnen Foki unterschiedlich, mal absichtlich und mal aufgrund der Möglichkeiten des gewählten Mediums, aber ich verwebe immer mehrere Humorebenen in meinen Werken.

Meine bis dato unveröffentlichte „dadaistische Reise ins Unaussprechliche“ ist viel auf Skurrilität ausgerichtet, die durch die mehr oder weniger starke Abstraktheit Humorpotential bietet, aber auch durchaus andere Elemente zur Belustigung sind untergebracht.
Manche Sachen sind zudem nicht immer so offensichtlich, denn nicht jeder erkennt etwa die Anspielung beim Patientennamen „Horst van der Swafeln“ in der Klapsocalypse - und jetzt googlt mal.

Mehr Kät-Toons
Wie bereits erwähnt, sind die humoristischen Ebenen nicht immer in jeder Form umsetzbar bzw. nicht befriedigend oder ganz so episch zu gestalten wie in anderen Medien. Während schriftlich die Option der semantischen Bespaßung deutlich besser funktioniert, so sind wiederum andere Sachen in Comics schöner umzusetzen wie zum Bleistift Katinka Art in Shit happenz, die mit SpongeBob den Boden putzt und damit einen mehr oder weniger dezenten Gag im Hintergrund des eigentlichen Witzes darstellt, und nicht unbedingt auffällt.

In sämtlichen meiner Werke versuche ich zum Teil auch unbewusst ein relativ breites Spektrum an Humor zu transportieren. Manchmal sind einzelne Elemente, wie Ernstes, Sentimentales oder Skurriles, stärker ausgeprägt als in anderen Projekten. Das hängt natürlich nicht nur von Try-and-Error ab, indem ich mich einfach mal in verschiedene Richtungen und Thematiken ausprobiere, sondern auch von meinen persönlichen Lebensphasen und jedes Werk beinhaltet somit immer ein Stück von mir. (Igitt)


Einfach lustig – Haha, von wegen!
Da, wie hinreichend bekannt, Humor äußerst subjektiv ist, ist demnach alles auch eine Frage des Geschmacks. Weniger eine Frage des Geschmacks ist, dass meiner Ansicht nach humoristische Erzeugnisse oft nicht ernst genug genommen werden. Ja, ich weiß, das klingt zunächst paradox, aber nicht, wenn man es so versteht, dass man lustigen Sachen oft weniger künstlerischen Wert zugesteht als anderen Genres. Dazu würde sich vermutlich eine wissenschaftliche Studie anbieten, sofern noch niemand auf die glorreiche Idee gekommen ist, aber ich hege die Vermutung, dass es daran liegt, dass viele keine Ahnung haben, wie solche Sachen entstehen und annehmen, es sei nicht so schwer, jemanden zum Lachen zu bringen. Dazu kann ich nur sagen: Nein.

Dass das schon allein aufgrund des unterschiedlichen Humorverständnisses nicht so simpel ist, wird außer Acht gelassen. Diesbezüglich habe ich eine Hypothese, die ich allerdings trotz meiner stolzen Zunftzugehörigkeit als Mistress of Socialscience habe, nicht großartig geprüft oder recherchiert habe, aber jetzt dennoch einfach in den Raum werfen möchte, denn dies ist ja bei Leibe keine wissenschaftliche Publikation, die sowas erfordert. Ich vermute, dass es einfacher ist, jemanden in eine andere Basisemotion zu versetzten, wie Trauer oder Ekel, da die Auslöser dieser Empfindungen generell einer homogeneren gesellschaftlichen Gemeinsamkeit entspringen, die bei Humor nicht zutrifft. Zum Beispiel kann man damit rechnen, dass die meisten Menschen bei Themen wie schimmlige Speisen, Fäkalien oder Ähnlichem ab einem bestimmten Grad Ekel empfinden. Oder die meisten empfinden eine gewisse Traurigkeit, wenn ein Tier in einem Film stirbt – oft sogar mehr als wenn einer der menschlichen Protagonisten dahinscheidet. Dieser Gedanke ist es zumindest wert, auch von euch etwas weitergesponnen zu werden – ich vertraue da auf eure Kompetenz! 


Ein lachender Selbstversuch
Jeder, der jetzt noch denkt, dass sei ja soooooo einfach sei, Leute humoristisch zu unterhalten, sollte jetzt doch mal selber versuchen, eine amüsante Kurzgeschichte zu verfassen. Das wird den meisten nicht so einfach von der Hand gehen und wenn sie dann noch ihr fertiges Lachprodukt jemanden zu lesen geben, wird das Ganze nochmal gedämpft werden. Vielleicht hab´ ich ja auch durch diese Aufforderung zukünftige literarische Humorgenies aus ihrer Versenkung geholt, die ihre ungeahnten Talente erst jetzt erkennen - dann bitte eine Danksagung an mich beim Erhalt des Literaturnobelpreises. Danke.


Fazit: Der Text ist gleich zu Ende.
Aber gut, nun habt ihr einen Einblick in das nicht immer so lustige Spiel mit dem Humor bekommen – also zumindest, wie ich es spiele. Ich hoffe, der kleine Ausflug in meinen wahnwitzigen Witzewahnsinn hat euch dennoch in irgendeiner Form gelabt und nicht vergessen: Die Welt ist schon ernst genug - dann müssen wir das nicht auch noch immer sein!

In diesem Sinne noch ein herrlich flacher Witz: Kommt ein Hund um die Ecke. Was fehlt? – Der Witz. (Schenkelklopferalarm)
Oha, nicht dass PETA gleich mein Auto mit Kunstblut bespritzt und die Eckengewerkschaft mit einer Klage wegen Verleumdung droht…

Sonntag, 19. Februar 2017

Science, Bitch – Die Seelenverwandtschaft zwischen Wissenschaft und Kunst



Quelle: Know your Meme
Auf den ersten Blick werden viele bei dem Titel dieses Beitrags ihre Stirn runzeln, bis sie sich nicht mehr von der eines Mopses unterscheidet. Da ich auf beiden Seiten tätig bin, bin ich so verwegen und stelle diese wahnwitzige Hypothese auf. Möglicherweise gilt sie auch nur für mich und die Sozialwissenschaft sowie dem Schreiben und Zeichnen, jedoch leuchtet sie nach einer kleinen Beschreibung gewiss mehr ein. Übrigens, wer jetzt mit dem Kram von analytischer, rationaler Hirnhälfte und der kreativen, emotionalen Hirnhälfte anfangen will: Gratuliere, du bist auf eine der kollektiv rum kursierenden Gehirnmythen reingefallen, denn so einfach ist das Ganze nicht zu differenzieren. BTW so habe ich mich natürlich diesbezüglich noch mal bei einem Neurobiologen abgesichert, nur um sicher zu stellen, dass ich keinen Kappes erzähle.  (An dieser Stelle nochmal ein Danke an Andy!)

Nun zum eigentlichen Thema: Wie komme ich denn zu dieser vermeintlich abstrusen Hypothese?!
Und zur Sicherstellung: Ich kann nur von meinem Vorgehen aus sprechen, nur von meiner Wissenschaftsdisziplin und nur vom Schreiben (und Malen) aus. Allerdings, so seid gewiss, kann euch jeder Naturwissenschaftler bestätigen, dass bestimmte Schritte auch in seinem Bereich getätigt werden – nur halt anders ausgeführt.

Zunächst einmal gilt es sich von folgenden Vorstellungen bezüglich
Wissenschaft und Kunst zu verabschieden.
In der Wissenschaft kann das Ergebnis immer anders ausfallen als gedacht, ebenso in der Kunst. Zudem muss der genaue Ablauf dem Forschungsgegenstand angepasst werden. Nicht jede Methode funktioniert bei jedem Forschungsgegenstand. Ich kann zum Beispiel menschliches Verhalten nicht gleichermaßen so untersuchen wie das von einzelligen Organismen oder Tieren.
Und in der Kunst – ich beziehe mich im Folgenden auf das Schreiben und Kät-Toons fabrizieren - ist es bei Leibe nicht so, dass man einfach drauf los wuselt. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass es manche Menschen schaffen, ohne großartige Gedanken etwas Brauchbares zu produzieren aber bei mir und den mir bekannten ist das nicht der Fall.
Forschung wie Kunst benötigen eine gewisse Planung, damit etwas Sinniges rauskommt. Wie umfangreich jedoch die Planung ist, kann  von Projekt zu Projekt variieren.

Und bei dem Begriff Projekt sind wir auch schon ganz gut bei der Thematik. Forschung besteht aus diversen Projekten und das Schreiben eines Buches, das Malen eines Bildes oder das Entwickeln eines Comics sind ebensolche Projekte.

Damit man sich das besser vorstellen kann, werde ich kurz einen Ablauf eines wissenschaftlichen und eines künstlerischen Projektes skizzieren. Wichtig ist, dass das nur ein grober Ablauf ist, der zum einen nicht immer linear abläuft und zum anderen durch verschiedene Unterschritte bereichert werden kann. Zudem können mehrere Schritte gleichzeitig geschehen und bei beiden Bereichen wird man regelmäßig von Epiphanien heimgesucht. Nicht zuletzt ist die wissenschaftliche Muse genauso undankbar und fordernd wie die künstlerische Muse.

Phase 1: Am Anfang war die Idee - Von der Muse geküsst
In der Wissenschaft
In der Kunst
Zu Beginn eines Forschungsprojektes steht immer eine Idee zu einen Thema oder direkt eine konkrete Fragestellung. Man kann auch direkt eine Hypothese entwickeln, die es nun wissenschaftlich zu belegen gilt. Dabei muss dieser Teaser nicht aus einem selbst entstehen, sondern kann durch Impulse von außen angestoßen werden. Ein Freund kann einem zum Beispiel etwas berichten und man denkt sich „Hm, interessant. Das würde ich gerne näher erforschen.“ Oder „Daraus könnte man doch eine Forschungsfrage machen.“.
Sofern noch keine brauchbare Fragestellung besteht, muss eine sinnige entwickelt werden.

Die allseits bekannte Muse kann einem immer mit einer plötzlichen Idee einen Impuls liefern. Es können sich auch Fragen in einen auftun, die den Anstoß geben; Was würde passieren, wenn…

Solche Impulse können ebenso von außen wie aus einem selbst kommen. Zum Beispiel durch Freunde, die meinen „Mach doch mal…“ oder aufgrund einer Ausschreibung für eine Anthologie.
Wie hoffentlich deutlich geworden ist, beginnen beide Prozesse mit den Gedanken zu einem bestimmten Thema, welche bereits mehr oder weniger ausgereift und konkret sein können. Die Impulse solcher Ideen können dabei aus einem selbst heraus entstehen – aufgrund eines Erlebnisses, einem Interesse, etc. – oder durch Anregung von außen entstehen – als auch durch ein bereits geplantes Forschungsprojekt oder eine Ausschreibung zu einen Text. In der Wissenschaft kann ein bereits genehmigtes Projekt schon recht ausdifferenziert sein, so dass der darauffolgende Schritt nicht unbedingt zutrifft. Entwickelt man das Projekt jedoch von Beginn an selbst, sieht es wieder anders aus. Dazu sei noch zu sagen, dass an einem Forschungsprojekt in der Regel mehrere Menschen mitarbeiten und Fristen einzuhalten sind. Das ist beim Schreiben nicht zwangsläufig so, aber auch hier tausche ich mich während des gesamten Projekts mit Menschen aus, die Anregungen oder Lösungsvorschläge bieten. 

Phase2: Planung und Vorbereitung – Hilfe, was soll ich tun?!
Zunächst muss geprüft werden, ob jemand schon zu diesem Thema geforscht hat. Kann man daran anknüpfen oder es gar verbessern? Oder ist es vielleicht völliges Neuland?
Erst wenn das geklärt ist, kann konkret geplant werden, da sonst unklar ist, ob eine weitere Forschung dazu nützlich wäre und welche Bereiche schon abgedeckt sind.
Die eigentliche Planung läuft unter der Prämisse „Wie kann ich meine Forschungsfrage am besten beantworten?“ Sprich: Welche Methode(n), welche Art von Daten und deren Erhebung sind sinnvoll. Und nicht zuletzt muss man an die Forschungsgelder kommen. Dazu muss man bereits schon einiges an ausgearbeiteter Planung vorweisen und hervorheben, wieso ausgerechnet das jetzt nützlich ist.  
Hier stellt natürlich nicht zwangsläufig die Frage, was dazu schon auf dem Markt ist. Je nachdem, ob man sich mit seinem Werk eine eigene Nische schaffen will oder in Tradition bestimmter Genres schreibt.
 Ich persönlich kümmer´ mich in der Regel darum herzlichst wenig. Da ich in erster Linie das Ganze für mich mache, ist es mir zunächst wumpe, ob es schon die 666. Version von irgendwas ist.
Dennoch ist die Planung nicht zu unterschätzen – Zumindest bei mir. Dabei geht es nicht um eine bereits komplett ausgearbeitete Geschichte, die nur noch niedergeschrieben werden muss. Ich sinniere  zuvor noch über die Handlung (also dem Plot) sowie über die Charaktere. Daraus ergibt sich eine grobe Struktur, die ich stichpunktartig mehr oder weniger schriftlich fixiere, um mich daran beim Schreiben zu orientieren.  Das ist besonders nützlich, wenn das Projekt aus welchen Gründen auch immer eine Zeit lang bei Seite gelegt wird. Während der eigentlichen Schreibphase ändert sich die Struktur; Manchmal wird was weggelassen oder abgeändert.
Je nachdem, wie wichtig einem eine gewisse Genauigkeit und Korrektheit bei seinem Werken ist, recherchiert man noch in den jeweiligen  Themenbereichen.

Neben der eigentlichen Handlung mache ich mir gelegentlich Gedanken  dazu, was ich mit meinem Projekt ausdrücken und/oder bewirken will. Natürlich ist dann noch zu bedenken, wie ich das erreichen kann. Will ich den LeserInnen ein nachdenkliches Gefühl vermitteln, muss ich mich zum Teil anderer Stilmittel bedienen, als wenn ich sie in traurige Stimmung versetzen möchte. Damit will ich jedoch bei Leibe nicht sagen, dass man nur einfach bestimmte Stilmittel verwenden muss, um die gewünschte Stimmung zu erzeugen.

Zusammengefasst wird deutlich, dass ich mir bei beiden Bereichen vorab Gedanken zu den Zielen mache und wie ich sie am sinnigsten erreichen kann. Dabei sind Faktoren wie Zeit, Möglichkeiten oder auch finanzielle Kosten mehr oder weniger vordergründig.
Das sich das intensive Befassen mit einen Projekt – ganz gleich ob in der Wissenschaft oder in der Kunst – immer auch Auswirkungen auf einen Selber hat. So gerne ich das jetzt aufdröseln möchte, so bedürfte das doch einen eigenen Beitrag, so dass ich es ganz platt nur darauf runterbreche, dass beides von Natur aus reflexive Prozesse beinhaltet und dadurch, dass man sich in einen Thema reinbuddelt nicht drum rum kommt es ein Stück weit zu internalisieren.

Phase 3: Die Durchführung – Schreiben bis der Arm abfällt.
Hat man es also geschafft, die Hürden der Planung zu überwinden,  geht es ans Eingemachte.
Durch die gewählte(n) Methode(n) werden Daten erhoben, die im Anschluss ausgewertet werden und im Kontext zur Fragestellung interpretiert werden.
Dabei ist es möglich, dass die entstandenen Daten Aspekte aufweisen, mit denen man nicht gerechnet hat. Je nachdem, was das für Aspekte sind, muss etwas ergänzt, weggelassen oder erneut durchgeführt werden. Oder die Daten zeigen, dass die entwickelte Hypothese nur zum Teil oder gar nicht stimmt – Was aber auch ein Ergebnis ist.

Die Daten, Recherchen und Ergebnisse werden dann in einem fancy Forschungsbericht, einer abgefahrenen Abschlussarbeit oder einen pathetischen Paper schriftlich zusammengeführt. Damit gehen auch bestimmte Textkonventionen her. Anhand eines Beispiels lässt sich das möglicherweise besser verdeutlichen. Dazu entsinnen wir uns alle an den Deutschunterricht, bei dem wir genötigt wurden Texte unterschiedlicher Art zu schreiben. Ein Sonett hat andere Bausteine als eine Kurzgeschichte.
Wenn das Projekt mehr oder weniger grob skizziert ist, kann ich auch hier zur Tat schreiten: Das heißt Schreiben bzw. Zeichnen.
Wenn alles gut vorbereitet ist, so kann ich recht gut vorankommen ohne großartig in Unklarheiten zu versumpfen. Bei der Durchführung können sich spontane Einfälle aufdrängen, die schließlich das Werk bereichern. Gelegentlich entwickeln Figuren eine Art Eigenleben und sie werden anders, als vorab geplant. Zum Beispiel bei meinen Kät-Toon „House of Bs“ wurde der Mathematiker Bram zynischer und grumpier als ich es vorgesehen hatte.
Bei beiden Projektarten habe ich persönlich von einer üppigen Vorbereitung profitiert. Ideen und Einfälle, die andere Individuen vielleicht beim Schreiben bekommen, habe ich schon vorher gehabt. Das bedeutet mitnichten, dass mir da keine spontanen Epiphanien mehr begegnen, insbesondere, da Schreiben an und für sich schon ein reflexiver Prozess ist.

Beim Forschungsprojekt jedoch ist häufig das Ergebnis zu einem gewissen Maß ab einem gewissen Zeitpunkt  abzusehen. Da ich nicht mit dem Schreiben beginne, bevor ich die Vorbereitung im Großen und Ganzen beendet habe, ist mir schon klar, worauf das hinausläuft. Ich kenne allerdings auch Menschen, die bereits in der Vorbereitungsphase mit dem Schreiben beginnen, das sieht bei denen wahrscheinlich anders aus.

Beim Schreibprojekt stellt sich das bei mir unterschiedlich da. Manchmal weiß ich so ungefähr, worauf es hinausläuft und in manchen Projekten ergibt es sich während des Schreibens. Zum Beispiel bei meiner „Klapsocalypse“ habe ich noch kein konkretes Ende gehabt, sodass ich bei Beginn des Schreibens nur eine diffuse Ahnung hatte, welche Aspekte zum Ende auftauchen werden oder nicht.
Phase 4: Das Ergebnis – Ich habe fertig!
Nach diesem Wust ist die Arbeit noch nicht getan. Das Geschriebene wird überarbeitet. Das umfasst nicht nur die Rechtschreibung und Grammatik, sondern auch die Struktur, Sinnigkeit der Argumentation, etc.
Je nachdem, in welcher Form die Ergebnisse genutzt werden sollen, steht die Veröffentlichung oder Weiterverwertung an.
Dabei ist das Endprodukt nicht annähernd so umfangreich, wie die hineingeflossene Arbeit, aber diese Arbeit ist wichtig, um es in einen großen Ganzen sinnvoll zu verweben.
Allerdings können sich daraus weitere Forschungsfragen anschließen: X ist so, aber warum ist X so?
Und voilà - die Rohfassung eines Werks ist erschaffen. Die muss allerdings überarbeitet werden. Dies kann unter unterschiedlichen Gesichtspunkten geschehen: Sinnzusammenhänge und Logik der Geschichte, Stimmigkeit der Erzählweise, etc.
Ebenso wie bei der Forschung ist die vorangegangene Arbeit immens im Vergleich zum Ergebnis.
Dann stellt sich die Frage, was mache ich mit dem Werk? Möchte ich es veröffentlichen oder verschwindet sie in schmachvoller Versenkung in der Schublade?! Und wenn ich es veröffentlichen will, dann im Verlag, welcher ja auch gefunden werden muss, oder als Selfpublisher?
Ferner kann auch hier das Ergebnis zu weiteren Arbeiten in diesem Bereich führen, zum Beispiel einer Fortsetzung, einem Spin-Off oder die Thematik hat mich so angeteast, dass ich mich noch weiter in dem Bereich aufhalten möchte.
Zusammenfassend sei auch hier gesagt, dass hinter einem vergleichsweise kleinen Produkt ein absurder Wust an Zeit und Mühe steckt. Das daraus resultierende Ergebnis ist quasi die Essenz der getanen Arbeit.
Ebenso wird beides noch überarbeitet, verbessert und optimiert. Man findet immer etwas, mit dem man unzufrieden sein kann. Irgendwann sollte man sich daher selbst den Riegel vorschieben, sonst wird ein Projekt nie fertig.
 

Generell bleibt also festzuhalten, dass beide Bereiche, so vermeintlich unterschiedlich sie auch erscheinen, sich in ihrer Vorgehensweise ähneln. Es muss zu einem gewissen Maß geplant und organisiert werden. Zudem kommen immer wieder unerwartete Schwierigkeiten oder Ideen im Verlaufe des Prozesses.

Ich möchte noch anführen, dass ich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit bei meinen Ausführungen erhebe und es durchaus bei anderen Individuen anders verlaufen kann. Ich kann da nur von meiner Arbeit sprechen.
Sofern jetzt jedoch deutlich geworden ist, dass Wissenschaft nicht so stupide und platt abläuft, wie es häufig den Eindruck erwecken mag, und dass Kunst mehr ist als nur ein bisschen Malen oder Schreiben, dann hat mein Beitrag seinen Zweck erfüllt.

In diesem Sinne:
Science, bitch!
Und:
Art, bitch!